Juni 2026

In der Komplementärtherapie stehen drei Ziele im Mittelpunkt: die Selbstwahrnehmung fördern, die Selbstregulation stärken und die Genesungskompetenz erweitern.

Über viele Jahre habe ich Menschen dabei begleitet, ihre Körpersignale besser wahrzunehmen, mit Stress und Belastungen bewusster umzugehen und ihre eigenen Ressourcen für Gesundheit und Wohlbefinden zu entdecken. Lange Zeit war dies vor allem ein Wissen, das ich aus meiner therapeutischen Arbeit kannte.

In den letzten Jahren wurde dieses Wissen jedoch auch zu einer sehr persönlichen Erfahrung.

Nach meiner Rückenoperation war ich mit einer Situation konfrontiert, die viele Menschen früher oder später erleben: Der Körper funktioniert nicht mehr selbstverständlich. Gewohnte Kraft, Belastbarkeit und Beweglichkeit stehen nicht jederzeit zur Verfügung. Pläne müssen angepasst werden. Das Tempo verlangsamt sich.

In dieser Zeit wurde sehr deutlich, wie wichtig Selbstwahrnehmung ist. Zu spüren, was mein Körper tatsächlich braucht, statt von ihm zu erwarten, was früher möglich war.

Ebenso wichtig wurde die Selbstregulation. Nicht gegen Schmerzen, Einschränkungen oder Erschöpfung anzukämpfen, sondern immer wieder einen Weg zu finden, mit dem umzugehen, was gerade da ist.

Und schliesslich die Genesungskompetenz: das Vertrauen, dass Heilung und Entwicklung nicht nur durch äussere Massnahmen entstehen, sondern auch durch die Fähigkeit, die eigenen Ressourcen zu aktivieren und den eigenen Weg Schritt für Schritt zu gehen.

Wir leben in einer Zeit, in der Selbstoptimierung beinahe zu einem Lebensprinzip geworden ist. Immer gibt es etwas zu verbessern. Schneller, fitter, produktiver, gelassener.

Doch je älter ich werde, desto mehr beschäftigt mich eine andere Frage:

Nicht: «Wie kann ich besser werden?»

Sondern: «Wie kann ich gut für mich sorgen?»

Heilung beginnt für mich oft dort, wo wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.

Wenn wir wahrnehmen, was ist.

Wenn wir uns selbst mit Freundlichkeit begegnen.

Wenn wir lernen, den eigenen Grenzen zuzuhören, statt sie ständig überwinden zu wollen.

Vielleicht besteht die wichtigste Entwicklung unseres Lebens nicht darin, immer mehr zu werden.

Sondern innezuhalten und wahrzunehmen, was bereits da ist: die Erfahrungen, die uns geprägt haben, die Menschen, die uns begleiten, die Ressourcen, die in uns leben, und die Verbundenheit, die uns trägt.