Impulse
Gedanken und Erfahrungen
Die Polarity Therapie ruht auf fünf Grundpfeilern: Körperarbeit, Ernährung, Bewegung, Gespräch - und als fünfte, oft stillste Säule: Die achstame Präsenz
Sie ist das Fundament, auf dem alle anderen Elemente zur Wirkung kommen. Ohne präsente Haltung bleibt selbst die feinste Technik oberflächlich. Achtsame Präsenz ist mehr als Methodik - sie ist die Haltung, aus der echte Verbindung entsteht.
Sie bedeutet:
Juni 2026
In der Komplementärtherapie stehen drei Ziele im Mittelpunkt: die Selbstwahrnehmung fördern, die Selbstregulation stärken und die Genesungskompetenz erweitern.
Über viele Jahre habe ich Menschen dabei begleitet, ihre Körpersignale besser wahrzunehmen, mit Stress und Belastungen bewusster umzugehen und ihre eigenen Ressourcen für Gesundheit und Wohlbefinden zu entdecken. Lange Zeit war dies vor allem ein Wissen, das ich aus meiner therapeutischen Arbeit kannte.
Bindungstrauma und Bindungswunden in der Komplementärtherapie
In der Komplementärtherapie steht der Mensch als ganzheitliches Wesen im Mittelpunkt, dessen Körper, Geist und Seele untrennbar miteinander verbunden sind. Gerade in diesem Rahmen zeigt sich, wie tiefgreifend frühkindliche Bindungserfahrungen – seien es Bindungstraumata oder Bindungswunden – das Leben eines Menschen prägen können. Diese oft unbewussten Verletzungen manifestieren sich nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern auch in der therapeutischen Dynamik durch Übertragung und Gegenübertragung. Die Komplementärtherapie bietet jedoch einen einzigartigen Raum, in dem durch achtsame Beziehungsgestaltung und körperorientierte Ansätze alte Wunden heilen und neue Bindungserfahrungen entstehen können.
Der Begriff Resilienz kommt aus dem lateinischen Wort Resilire und heisst abprallen oder zurückspringen.
Mit Resilienz ist die psychische Widerstandskraft gemeint. Die Kraft bei sich zu bleiben und Unerwünschtes von sich „abprallen „zu lassen. Die Kraft zu filtern und zu priorisieren. Resilienz ist die Fähigkeit Krisen zu bewältigen, auf persönliche oder andere Ressourcen zurückzugreifen und Schwierigkeiten als Anlass zur persönlichen Entwicklung nutzen zu können.
Eine gute Resilienz ist nicht angeboren, sondern wird im Laufe eines Lebens erlernt.
Je nach Biographie und Familiengeschichte sind wir bereits mit unterschiedlichen Ressourcen und entsprechender Resilienz ausgerüstet.
Wenn wir nicht über genügend Resilienz verfügen, kann es sein, dass wir unter mangelnder Widerstandskraft leiden und uns psychisch ausgelaugt fühlen.
Die gute Nachricht: Resilienz ist lernbar und Ressourcen können gestärkt werden.
Genau hier setzt die Polarity Therapie an.
Polarity stärkt die Selbstregulierungskräfte, macht die Selbstwirksamkeit erlebbar, fördert das Selbstvertrauen, die Selbstliebe, unterstützt die Fähigkeit stabile Bindungen einzugehen und hilft eine ressourcen- und lösungsorientierte, lebensbejahende Einstellung zu entwickeln.
Diese Faktoren sind es denn auch, die für eine gut funktionierende Resilienz wichtig sind.
Eine Polarity Therapie Sequenz beginnt in der Regel mit einer eingehenden Befundaufnahme. Neben biographischen und medizinischen Vorkommnissen erkundigt sich der Polarity Therapeut auch nach vorhandenen Ressourcen.
Ressourcen sind all das, was uns Freude macht, was uns stärkt, was uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, uns innerlich berührt, uns entspannt, uns zentriert und inspiriert.
Als Therapeuten erleben wir immer wieder Klienten, die ihre Ressourcen kaum benennen können und ihren Fokus eher auf das gerichtet haben, was in ihrem Leben gerade nicht funktioniert. Oft sind diese Klienten in Gedankenschlaufen gefangen, die ihre negativen Gefühle verstärken.
Körperzentrierte Berührungs-, Atem- und Energiearbeit unterstützt die Selbstwahrnehmung und kann hier Abhilfe schaffen.
Der 45-jährige Mittelschullehrer und Familienvater kommt in die Praxis, weil ihm einfach seit längerer Zeit nichts mehr Freude macht. Er leidet an häufigen Erkältungen, Rückenschmerzen und Erschöpfung.
Dieser Zustand dauert bereits mehrere Jahre und auf die Frage nach seinen „Ressourcen“ fällt ihm spontan nichts ein. Ich hake in diesem Moment nicht nach und lade ihn nach der Befundaufnahme ein, sich auf die Behandlungsliege zu legen.
Bei der Körperarbeit kann er sich entspannen und loslassen. Dies äussert sich unter anderem darin, dass Tränen fliessen. Mittels verbaler Prozessbegleitung erfahre ich, dass er sich trotz der andauernden Erschöpfung schon lange nicht mehr tief entspannen konnte. Die einleitenden Worte mit der Einladung loslassen zu dürfen, haben ihn sehr berührt.
Auf die Frage, wo es sich denn im Moment im Körper besonders gut anfühlt, gibt er an, dass sich die Arme entspannt und leicht anfühlen. Ich frage ihn, ob er sich an ein vergleichsweises ähnliches Empfinden erinnert. Es fällt ihm ein, dass er früher regelmässig schwimmen war und sich dann danach immer noch ein wenig im Wasser hat treiben lassen.
Aufgrund seiner Verpflichtungen hatte er vor mehreren Jahren mit diesem Sport aufgehört.
In den folgenden Sitzungen lernte der Klient wie wichtig es ist, gut auf sich zu schauen und sich Zeit für sich selber zu nehmen. Es kamen noch mehrere „Ressourcen“ hinzu: Zeichnen, kochen und in der Natur spazieren. Das bewusste Wahrnehmen seiner Gefühle und die Verbesserung seiner Körperwahrnehmung unterstützten ihn darin, seine Resilienz entscheidend zu stärken: Rückenschmerzen verschwanden, Erkältungen wurden weniger und er führt heute ein wesentlich selbstbestimmteres, glücklicheres Leben.
In dem er besser auf seine Bedürfnisse achtet, hat sich letztlich auch das Zusammenleben mit der Familie verbessert und er fühlt sich im Kollegium wieder wohler.
Diese Geschichte ist nur eine von vielen Praxisbeispielen in denen sichtbar wird, wie verbesserte Selbstwahrnehmung und bewusste Wahrnehmung der eigenen Ressourcen die Resilienz entscheidend und langfristig stärken kann.